Poesie
N.N.
Letzte Nacht habe ich den Glauben verloren.
Den Glauben an die große Liebe.
Die Liebe, die einfach aus dem Nichts da ist,
die dich völlig aufwühlt, glücklich macht
und dann bleibt.
Ich glaubte, sie gefunden zu haben.
Ich war berauscht, war glücklich.
Genoss seine Gegenwart unendlich.
War beflügelt von jedem Wort,
jedem Lächeln,
jeden Kuss.
Ich Wirklichkeit war aber nur ICH diejenige,
die hingerissen war.
Ich, der verliebte Volltrottel.
Vermutlich genoss er es.
Und vermutlich genoss ich es, dass er es genoss.
Doch wo bleibt die Liebe?
Natürlich, es gibt Liebe, kein Zweifel.
Doch gibt es wirklich gegenseitiges Begehren und Lieben?
Ist es nicht so,
dass immer nur einer liebt
und der andere es liebt, geliebt zu werden?
Gibt es wirklich Paare,
die sich lieben, ohne zu zweifeln,
ohne Untreue, ohne Verzweiflung,
ohne Verletzung, ohne Machtspiele,
ohne Streit und Langeweile?
Fritz Rudolf Fries
Glück
Es bringt die Post
als leichtes Gepäck
je ein Buch
aus dem Süden aus
dem Norden
zur Mitte
da wo ich bin
abends
zum Tee zur Pfeife
lese ich.
Peter Maiwald
Biografie
Ich habe mich verzettelt
in vielen Liebesbriefen.
Ich hab, dass man mich mag, gebettelt.
Ich habe mich verhört,
wenn andre mich um Hilfe riefen.
Ich habe mich verschrieben
in Wut und Hass und Zeilen.
Ich bin ich selbst
nicht ich geblieben.
Ich habe mich verschrien.
Der Ruf gehört
zu meinen bessren Teilen.
Ich habe mich vergeudet
und werd es wieder machen.
Ich liebte mich,
dass man mich meidet.
Ich habe mich verlebt
und kam zuletzt zu meinem Lachen.
Peter Maiwald
Vom Guthaben
Wenn ich noch was gut hab bei dir
bitt ich dich: bezahl daraus
meine Nächte außer Haus,
Tage, wo kein Wort ich fand,
Arbeit, ohne meine Hand,
Einsamkeit, die ich nicht mied,
Wollen, das uns unterschied,
Glück, das ich allein genoss,
Angst, die mich vor dir verschloss,
Kornschnaps, der dich aus uns strich,
und von dem, was bleibt: so liebe mich.
Peter Maiwald
Zum Anheben eines Glases Wein
Man nehme: einen Sommertag
und wen man liebt und Freunde auch
und hab ein gutes Mahl im Bauch
und streichle Katzen wie man mag.
Dazu ein Land, das friedlich liegt
und eine Nacht mit klarem Stern
und die Zigarre von sehr fern
und weißes Brot, sehr viel genügt.
Man braucht ein Volk zum guten Schluss,
das für sich selber Leben lohnt
und Essen hat und menschlich wohnt,
dann ist der Wein kühl ein Genuss.