Hannöversche Tafel 17.01.2006, erinnert am 30.01.06

"Bringen Sie Ihren Bescheid mit und einen Ausweis."

Die Ansage ist klar. Ich gehe heute zum erstenmal zur Hann?verschen Tafel, um mir Lebensmittel zu holen. Ich wei? finanziell weder ein noch aus. Ich fahre quer durch die Stadt zu einem kirchlichen Zentrum, ohne Fahrkarte. Bin viel zu fr?h. Nachund nach treffen die "Bed?rftigen" ein. Man kennt sich. Hier geht es keine Scham, man sieht sich in die Augen. Und man spricht Russisch. Die meistrn bringen Einkaufsroller mit. F?r die gibt es feste "Parkpl?tze". Alles scheint mir wie ein Ritual, wie eine Parallelwelt.

Es kommt Bewegung in die Menge. Alles dr?ngt in einen unscheinbaren kleineren Aufenthaltsraum. Ich versuche nicht aufzufallen, dass ich zum ersten mal hier bin, und schlie?e mich an. Es gibt Kuchenst?cke umsonst. Manche kommen mit Tupperdosen, stellen siich immer wieder an und bunkern f?r eine Woche. Hei?er Tee und Kaffee kosten 20 cent. Die beiden Helferinnen tragen Handschuhe. Eine sagt zu mir "Na, nehmen sie mal", und schnekt mir eine hei?en s??en Tee. Ich schl?rfe schnell & begierig.

Nach zwei Stunden erneut Bewegung. Man stellt sich vor einem Tisch an. Ich tue es ebenso. Ein ;ann, etwa vierzig, mit grauen Schl?fen und groben Stiefeln, pr?ft, stempelt, gibt aus & schickt weg. Er kann nicht sprechen & nicht lachen. Ich nenne ihn den "Beamten". Manchmal verliert er die Fassung. er br?llt in den Raum "Tausend Euro sind ja wohl zu viel!". Privatsph?re und Datenschutz Fehlanzeige, aber das erwartet hier wohl auch niemand. Als es ihm hinter seinem Tisch zu bedrohlich wird, weil die Menschen nachdr?ngen, schreit er "Zur?ck bis an die Rampe!". Ich hoffe, er wei? nicht, was er gesagt hat.

Die Ausgabe ist schnell und effektiv organisiert. Nummern nach dem Zufallsprinzip. Wer keine eigenen Taschen mitbringt, bekommt nichts. Es gibt Grundnaghrungsmittel, f?r Kinder auch Milch. Ich habe Nummer 79 gezogen von 90. Tomaten, Radieschen, viel Obst, Zazikiquark, Mandelspekulatius, Br?tchen & und ein gro?er Kanten Olivenbrot werden f?r mich eingepackt. Noch auf dem Weg zur U-Bahn esse ich zwei ?pfel. Zu hause dann putze ich die Radieschen, esse sie pur. Dann setze ich mich vor den Fernseher, sehe Biathlon und Gerichtsshows. Ein Tag, der Alltag ist f?r Tausende von Menschen, f?r mich aber nie werden soll.

1 Kommentar 30.1.06 10:53, kommentieren

Hürden auf dem Weg 10.1.2006

Noch wei? ich nicht, wie ich den Weg nach Leipzig finanzieren soll. Peter, du hast recht: Tragende S?ule dieser Gesellschaft ist das Geld. Ohne Geld kein Erfolg. Erfolg macht sexy. Und wer Fehler macht und nichts hat, der kriegt auch nichts.

10.1.06 21:04, kommentieren

Sabine führt mich nach Leipzig 7.1.2006

Ich m?chte Sabine nicht noch einmal verlieren.

Sie sagt mir ganz klar, sie sei niemand, der seine eigene Zukunft f?r andere aufgebe, und auch ich solle das nicht tun. Siek?nne nicht f?r mich entschieden, nach Leipzig zu gehen oder hier zu bleiben. Auch ?ber Zusammenziehen und Kinder k?nne sie jetzt noch nicht nachdenken. Daf?r m?ssten erst die Voraussetzungen geschaffen werden: Ein verl?sslicher finanzieller Rahmen f?r beide und eine stabile Beziehung. Sie wolle einem Kind ein unbeschwertes Leben bieten k?nnen und sich auch selbst noch einen Herzenswunsch ohne Bedenken erf?llen k?nnen. Bei uns sei das nicht gegeben.

Ihr Fazit: Geh nach Leipzig, gestalte dein Leben - f?r dich und f?r uns.

3 Kommentare 10.1.06 21:02, kommentieren

Sabrina reagiert 4./5.1.2006

Mein Brief sei "das Letzte". Das sei also meine Liebe. Und wie w?rde ich reagieren, wenn sie nicht schwanger w?re?

Ich w?rde mich nicht anders entscheiden.Sabrina f?hrt schon lange ihr eigenes Leben, und ich tue es nun endlich auch.

Nachtrag um Mitternacht: Anruf. Sabrina ist nicht schwanger.

10.1.06 20:59, kommentieren

Neujahr 2006: Brief an meine Tochter

"Liebe Anna-Lena,

ich gratuliere dir herzlich zum Geburtstag und w?nsche dir von Herzen alles Gute, Gl?ck und Erfolg.

Dies ist mein erster Brief an dich. Lange Jahre war in meinem Leben kein Platz f?r dich. Wir sind Fremde.

Ich k?nnte verstehen, wenn du nichts mit mir zu tun haben willst. Wenn du sagst: Jetzt kommst du zu sp?t.

Ich werde Hannover bald verlassen. Es w?re sch?n, wenn wir uns zuvor sehen.

Was ich an dir vers?umt habe, kann ich nicht wieder gut machen. Aber vielleicht gibst du mir die M?glichkeit, dass wir dar?ber reden.

Magst du mich anrufen?

Liebe Gr??e, Detlef"

1.1.06 21:20, kommentieren