Liebe Leser,

dieser Blog hat dazu beigetragen, zu mir selbst zu finden und mich anderen mitzuteilen.

Mein Leben hat andere Schwerpunkte. Der Blog hat seinen Zweck erfüllt. Dies ist der letzte EIntrag.

 

12.8.07 14:30, kommentieren

Berühre ein Herz nur dann

wenn du auch in der Lage bist

es zu schützen

3.1.07 18:51, kommentieren

Liebe Freunde und Bekannte,

auf Wunsch vieler Leser erweitere ich meinen Weihnachtsbrief. Nun ist es ein Neujahrsbrief, den ich bei einem Bagelfrühstück schreibe.

Mein erster Weg hat mich heute in die Nikolaikirche geführt. Zu ihr werde ich nie so eine enge Beziehung entwickeln wie zum Kölner Dom. Dort, im Dom, hatte ich mir in einer zugigen Ecke einen kleinen Marienaltar zur Einkehr und Besinnung ausgewählt. Das fehlt mir.

Seit meinem Weggang von der Stadt Hannover im April 2002 habe ich nie wieder wirklich Fuss fassen können, weder in Bedburg noch in Leipzig. Ich habe den falschen Menschen vertraut und nicht auf meine innere Stimme gehört. Ich habe Ratschläge meiner Freunde nicht hören wollen. Ich habe mich hochmütig über andere gestellt und wollte ihnen meine Art zu leben aufdrängen. So habe ich Freunde verloren, Liebe verspielt und Seelen verletzt.

Ich bin nach Leipzig gezogen als Flucht und als Neuanfang. Inzwischen habe ich hier die vierte Wohnung, die dritte Arbeitsstelle, keine wirklichen Freunde und keine Frau, die mich liebt. Ein Herz, das mir zu Weihnachten geschenkt wurde, schlägt falsch und im anderen Takt.
Nach der Zeit in der Consulting Agentur bin ich bei einer Wirtschaftskanzlei gelandet. Auch da gab es ein Call Center, meist Studenten. Es wurden Umfragen gemacht nach dem Zufallsprinzip aus dem Telefonbuch. Leute wurden befragt nach ihrer Meinung zum Steuersystem. Dabei wurden auch persönliche Daten erhoben, auch finanzielle zum Einkommen. Hab mich immer gewundert, warum Menschen das am Telefon freiwillig sagen. Sie hatten nicht mal einen Namen oder eine Rückrufnummer von der Kanzlei. Bei einer bestimmten Bonität wurden die Leute dann nach mehreren Wochen noch einmal angerufen mit dem Ziel, ihnen die Investition in ein denkmalgeschütztes Haus oder eine Wohnung schmackhaft zu machen. Ich habe eine Woche im Call Center (im Keller) telefoniert, dann haben mich die Geschäftsführer zu sich in die Etage geholt und mich zum Teamleiter gemacht. Ein bisschen telefoniert habe ich auch noch. Hat großen Spass gemacht, war kreativ und jeden Tag neu. Nachteil: Ich habe einen Monat Geld gekriegt, die kommenden beiden Monate nicht. Das Ende war ziemlich unschön, auch für die anderen Mitarbeiter im Call Center. Fristlose Kündigung, Hausverbot, viele warten noch immer auf ihr Geld. Ich habe vor dem Arbeitsgericht geklagt, insgesamt sind es drei Klagen wegen Geldzahlung und eine wegen meines Zeugnisses. Die erste Klage habe ich gewonnen, die anderen drei werden in Kürze verhandelt. Selbst wenn ich die gewinnen sollte, habe ich davon immer noch kein Geld.
 
Nach dieser Kanzlei kam dann die jetzige Firma. Die habe ich über eine Internetrecherche gefunden. Es ist eines der größten Unternehmen für Telemarketing in Deutschland. Die Firma hat in Leipzig knapp 200 Telefonarbeitsplätze, dazu kommen 50 andere Mitarbeiter. Es gibt verschiedene Aufgabenbereiche. Ich sitze im Kompetenzcenter Handel und telefoniere für zwei große Versandhäuser. Heißt konkret, wir
bekommen Datensätze, die wir abtelefonieren mit dem Ziel, dass die Angerufenen eine telefonische Warenbestellung aufgeben. Auf diesem Feld sind wir eines der drei besten Call Center in Deutschland. Ich dachte immer: Na ja, das bisschen telefonieren. Von wegen, das ist harte Arbeit. Ich mache das jetzt knapp zwei Monate und liege bereits über dem Soll. Das liegt auch mit daran, dass in der Firma konsequent weitergebildet und gecoacht wird. Ich hatte bereits dreimal ein Monitoring, heißt: Ein Trainer hört sich deine Telefonate an und gibt harte Tipps. Und so ein Coach will ich jetzt auch werden. Hatte dazu eine Bewerbungsrunde vier Tage vor Weihnachten. Das Ergebnis gibt’s Mitte Januar. 
Bis jetzt war für mich nicht ausreichend Zeit, den Tod meines Vaters zu begreifen und zu verarbeiten. Es hat sich weniger verändert, als ich erwartet hatte. Manchmal war ich durch den Tod wie erleichtert; so, als sei eine Last von mir genommen. Heute würde ich meinen Vater nicht mehr ohne Vorbehalte als mein Vorbild nennen.

Meine Briefe an meine Tochter sind im ganzen Jahr ohne Antwort geblieben.

Zu Sabrina gibt es wieder vorsichtigen Kontakt. Sie hat mir die letzten persönlichen Sachen geschickt, will mit ihrem Freund eine Familie gründen.

Sabine ordnet ihr Leben neu. An meinem Geburtstag ist ihre Oma verstorben. Eine tieferen Einschnitt kann es für sie nicht geben. Ich denke viel an sie.

Auf dem Bahnhof habe ich Anne getroffen. Wir hatten uns nichts zu sagen.

Mein größter Wunsch für 2007 ist eine neue Beziehung. Ich bin misstrauisch geworden, vorsichtig, vielleicht auch hart und ungerecht.  Ich möchte wieder mit einem anderen Menschen gemeinsam lachen und aufwachen.

Ich wünsche allen ein erfolgreiches neues Jahr im inneren Frieden mit euch selbst und anderen. Glück auf!

2 Kommentare 1.2.07 17:00, kommentieren

Neue Wege

Eine lange Zeit zwischen zwei Einträgen lässt manche Ereignisse verblassen oder sogar vergessen, aber schafft auch Abstand.

 
Die Zeit in der Agentur ist vorbei. Außer vagen Versprechungen hat sich nichts geändert. Ich bin am ersten Tag nach Rückkehr aus dem Urlaub gekündigt und sofort beurlaubt worden. Trotz eines guten Zeugnisses bin ich menschlich tief enttäuscht – enttäuscht und traurig, weil sich meine Hoffnung auf eine Liebesbeziehung mit Anne nicht erfüllt hat. Ihr größter Wunsch war es, dass ich sie zu ihrem Geburtstag in Spanien besuche. Ich habe es irgendwie geschafft ... Ich bin fast drei Tage mehr als 2000 Kilometer durch Deutschland, Belgien, Frankreich und Spanien  gefahren... Am Montag mit dem Auto von Leipzig nach Düsseldorf, dann eine Nacht ohne Schlaf auf dem Düsseldorfer Bahnhof.... Am Dienstag von Düsseldorf 1200 Kilometer mit dem Auto bis nach Toulouse, dann eine Nacht ohne Schlaf mit zwei Mitfahrern in der wunderschönen Altstadt von Toulouse... am Mittwoch mit dem Zug von Toulouse zum Grenzbahnhof Portbou, dann weiter nach Barcelona, und dann noch 50 Kilometer bis zu Anne ...
 
Im Hotel habe ich mich nach ihr erkundigt. Alle haben dicht gehalten .... Und dann stand ich abends vor ihrer Bühne .... Sie hat alles um sich herum vergessen und ist mir auf den Arm gesprungen .... Hat sich festgekrallt und hemmungslos geweint.... Allein für diese Sekunden haben sich die Strapazen vorher gelohnt.
 
Wir haben geredet. Es gab kein Kuscheln, keinen Kuss. Es wird nie eine Liebesbeziehung zwischen uns geben. Wir sind die besten Freunde, nicht mehr. Anne sagt, es täte ihr unendlich leid, wenn sie einen anderen Eindruck erweckt habe. Ja, sie liebe mich, aber eben anders, so wie ihre engsten Freunde. Ich hätte so gern mit Anne gelebt und gearbeitet. Nun muss ich entscheiden, wie es weiter geht. Anne ist die erste Frau, deren Leben ich respektiere, ohne sie nach meinem Bild verändern und formen zu wollen. Deswegen tut es auch so weh.
 
Meine Gedanken drehen sich im Kreis. In meiner ersten Reaktion habe ich Anne gesagt, ich könne nicht mit einer Frau befreundet sein, die ich liebe. Ich würde weg gehen, die Agentur verlassen, wenn sie zurück kommt; für uns beide sei kein Platz. Im gleichen Moment stelle ich mir vor, wie es sei, wenn wir unseren Plan einer gemeinsamen Wohnung verwirklichen, ob ich das ertragen könne. Es waren wunderbare Tage in Spanien, trotzdem; ich habe mich so schnell zuhause gefühlt. Ich habe gesehen, wie Anne dort die Königin ist, habe gesehen, mit welcher mitreißender Begeisterung das Entertainment-Team im Hotel arbeitet: Jeder kann dort die Ansagen in fünf Sprachen machen; das sind neben Deutsch und Englisch noch Französisch, Holländisch und Spanisch. Nun ist ja wieder alles offen. Erste Bilder im Kopf: Einen Job, am besten Agentur, Geld beiseite legen, wenn’s geht,  und parallel planen. Dann erste Suppenbar-Erfahrung in Leipzig. Ich denk weiter an den Arbeitsort von Anne.  internationale Gäste, Hauptanteile deutsch, englisch, holländisch...  Warum lerne ich kein Spanisch und Holländisch und setze den Plan in Spanien um, auch wenn Anne nicht mehr da ist? Eine Suppenbar mit Suppen genau dieser Länder, dazu übliche Getränke, Gebäck vom Bäcker am Ort, und ein paar preiswerte Internetplätze (die kosten in den Hotels bis zu sechs Euro die Stunde, und die Kids, die mit den Eltern mitfahren, chatten auch mal im Urlaub mit zu hause) ...  Oder ist das wieder nur eine Flucht? Was ist stärker: Der Wunsch, endlich nach hause zu kommen, ruhig und sesshaft zu werden, oder die Unruhe, immer etwas Neues zu machen? Warum kann ich Freunde nicht dauerhaft halten? Bin ich immer auf der Flucht?
 
Sabrina? Wir haben gelegentlich Kontakt, haben uns aber noch nie gesehen, seitdem ich hier bin. Sie hat wieder einen Freund, sagt sie, Mitte 30.
 
Mein Vater? Ich habe inzwischen das Testament vom Nachlassgericht erhalten. Noch im Tod hat er mir mitgeteilt, was er von meinem Leben hält. Ich erhalte ein Erinnerungsstück von seiner Polizeiuni-form, dazu einen Siegelring. Der Ring mit dem Familienwappen aber geht an einen Cousin, den ich nie gesehen habe; verbunden mit der Auflage, ihn an einen männlichen Nachkommen mit dem Namen Plaisier weiter zu geben. Außerdem vererbt er mir zwei Konten – allerdings erst, nachdem seine Else verstorben ist. So sagt mir mein Vater jetzt noch, wie gerne er ein Enkelkind gehabt hätte, um das er sich hätte kümmern können, wie sehr er mein Verhältnis zu Anna-Lena verurteilt hat, wie wenig er meine Ehe mit Christiane verstanden hat...
 
Christiane?  Ich habe ihr zum Geburtstag geschrieben, habe mich entschuldigt und sie um Verzeihung gebeten dafür, dass ich sie allein gelassen und ihre Seele verletzt habe.
 
Anna-Lena? Ich habe einmal Unterhalt zahlen können, habe ihr inzwischen vier Briefe geschrieben, ohne Antwort. Ob Angelika sie weitergibt ....
 
Freunde? Yasmina geht im September zum Studium nach Hessen. Alle anderen, die mir nahe stehen, sind weit weg: Peter in Bedburg, Annika bei Magdeburg, Sonja in Bochum. In Hannover sind aus Freunden Bekannte geworden.
 
Manu hat mir Bedenkenswertes geschrieben: Det, die Zeit ist gegen dich. Wenn du einen Traum hast, warte nicht, bis er zu dir kommt. Hol ihn zu dir.
 

3.8.06 10:24, kommentieren

Miss you ...

23.5.06 10:22, kommentieren